Betrachtung Ostern 2025

Hinabgestiegen in das Reich des Todes, auferstanden von den Toten

Sehr zügig sprechen wir es um Glaubensbekenntnis: „Hinabgestiegen in das Reich des Todes; am dritten Tage auferstanden von den Toten.“

Für uns gehören der Karfreitag mit dem Gedenken an den Tod Jesu und der Ostertag mit dem Fest seiner Auferstehung eng zusammen. Dazwischen nennt uns das Glaubensbekenntnis jedoch den Abstieg des begrabenen Christus in das Reich des Todes. Was wollte er dort? Der Erlöser wollte alle erreichen, die nach Erlösung hungern und dazu gehören auch alle, die durch den Tod in der Unterwelt gefesselt waren – voran Adam und Eva als Beispiel für alle Menschen von Anfang an. So ist es für mich eine schöne Osterbotschaft, die sich auch in einem Flügelaltar des Erfurter Domes aus dem 16. Jahrhundert zeigt.

Zu sehen ist auf diesem Altar in einem Seitenflügel Christus, der die Pforte des Todes und der Hölle aufsprengt und zwei Personen an seine Hand nimmt und herausführt. Die Botschaft der Erlösung und Befreiung von Tod und Hölle nehmen wir an Ostern als selbstverständlich hin, jedoch ist weder an der Kreuzesdarstellung noch an der Darstellung der Auferstehung Jesu die Wirkung seiner Auferstehung eindeutig erkennbar. „Was bedeuten Tod und Auferstehung für uns!“ – fragen wir mit Recht. Wir feiern an Ostern ja nicht ein Ereignis, das zwar einen historischen Hintergrund hat, aber historisch nicht nachweisbar ist, wie es mit anderen Ereignissen der Geschichte möglich ist. Wir sprechen beim Osterereignis von einer Wirklichkeit, die Zeit und Raum dieser Welt überschreitet. So brauchen wir Bilder, die uns eine Wirklichkeit und Wirkung erschließen, die wir alle erhoffen, aber in dieser Welt und Zeit nur anfanghaft erspüren können.

Wir hören vom Glaubensmut der Apostel aufgrund ihrer Begegnung mit dem Auferstandenen. Wir spüren bis heute die Kraft des Auferstandenen, wenn Menschen sich neu oder wiederholt zu Christus bekennen und durch Taufe oder Beichte ihre Verbundenheit mit ihm bezeugen. Die Frage nach dem Mehrwert des Glaubens bekommen wir nur beantwortet, wenn wir spüren, wie der Auferstandene uns bei der Hand nimmt und aus dem Rachen des Todes und der Hölle befreit, wie man es auf diesem Altarbild sehen kann. Nach meiner Kenntnis ist es in der abendländischen Kunst sehr selten, dass der Abstieg in das Reich des Todes gezeigt wird. Ich bin daher für diese Darstellung im Erfurter Dom sehr dankbar und weise bei Führungen explizit darauf hin.

„Wann ist Ostern?“ – Wir feiern einen festen Termin, der aufgrund einer Berechnung des Mathematikers Carl Friedrich Gauß aus dem Jahr 1800 festgelegt wird. Er hatte diese Termine für die Jahre von 1583 bis 8202 errechnet und somit auch für unser Jahr 2025: Der 20. April. Ostern kann jedoch an jedem Sonntag werden, wenn wir uns vom auferstandenen Christus im Gottesdienst bei der Hand nehmen und von der Sünde befreien lassen. Überall dort, wo Menschen Befreiung erfahren, ist die österliche Erfahrung spürbar. Die Tatsache des Eingesperrtseins kennen wir, wenn unsere Pläne nicht aufgehen, wenn Kriege die Lebensplanungen zerstören und wenn ich spüre, dass ich mich ändern muss und es nicht schaffe, einen Neuanfang zu setzen. Gut ist es dann, eine hilfreich ausgestreckte Hand zu sehen, die mich aus dem Loch herauszieht. An Ostern empfehle ich die Hinwendung zu Jesus Christus. Per Computersimulation kann ich vielleicht ein Bild zaubern, wo mich Christus selbst bei der Hand fasst, wie er Adam und Eva erfasst und erlöst hat. Das wäre in hoffnungsvolles Osterbild.

Ein gesegnetes Osterfest und die Freude am neuen Leben durch den Auferstandenen wünscht von Herzen

Weihbischof Dr. Reinhard Hauke